Die Chemie von Tattoos

Früher waren nur Randgruppen tätowiert, Heute sind Tattoos in. Jeder vierte unter dreißig hat welche und findet diese cool – Tendenz steigend. Nicht cool sind jedoch die möglichen gesundheitlichen Folgen. Denn was da an Chemie für ein Leben lang unter die Haut und in den Körper kommt, birgt ernsthafte Risiken.

Wenn der Tätowierer nach einer guten Stunde und etwa 200.000 Nadelstichen seine Arbeit beendet hat, dann beginnt für das Immunsystem des Tätowierten eine Schwerarbeit. Und die wird bis an sein Lebensende andauern.

Die Chemie der Tattoos iStock - Die Chemie von Tattoos

Tattoo-Farben - eine unkontrollierte Grauzone zwischen Arzneimitteln und Kosmetik

Was da unter die Haut kommt, ist in der EU leider nicht explizit geregelt. Tätowiermittel müssen nicht zugelassen und dürfen ohne offizielle Prüfung in den Studios verwendet werden. Die deutsche Tätowiermittel- Verordnung reguliert nur, welche Inhaltsstoffe in Tattoo-Farben und Permanent-Make-Up verboten sind, weil bei ihnen definitiv ein Gesundheitsrisiko bekannt ist.

Tattoofarben eine unkontrollierte Grauzone - Die Chemie von Tattoos

Das grundsätzliche Problem: Die Gefährlichkeit der Substanzen wird nur bei Tests mit Kosmetika geprüft, also lediglich bei der Anwendung auf der Haut – nicht für die Anwendung im Körper! Im Vergleich dazu werden Kosmetikinhaltsstoffe klar reguliert und müssen umfangreiche Test bestehen, um zugelassen zu werden. Dass Tinten nicht verboten sind, macht sie im Umkehrschluss nicht zu unbedenklichen Stoffen. Tattoos sind eine freiwillige Angelegenheit, das Risiko trägt allein der Verbraucher …

Chemiecocktails unter der Haut

Ein Tattoo enthält pro Quadratzentimeter etwa ein bis neun Milligramm Tinte, bei einer Größe von 10 x 20 Zentimeter sind das etwa 0,2 bis 1,8 Gramm. Die Tattoo-Farben sind Gemische aus bis zu hundert verschiedenen Substanzen. Sie bestehen im Wesentlichen aus Farbmitteln (Pigmenten) und einer Trägerflüssigkeit aus Löse- und Verdickungsmitteln und Konservierungsstoffen, sowie einer Vielzahl unbekannter Einzelsubstanzen: Emulgatoren, Binder, Antischaummittel, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe oder Weichmacher (Phtalate), etc. Eine Liste, welche Substanzen derzeit verwendet werden, gibt es nicht.

In vielen organischen Pigmenten finden sich gesundheitlich problematische Substanzen und Schwermetalle wie Arsen, Nickel, Chrom, Mangan oder Kobalt. Ruß als schwarzes Farbpigment und das weiße Titandioxid sind die häufigsten Inhaltsstoffe.

Bei genauer Betrachtung ist das Gesundheitsrisiko nicht besonders verwunderlich, denn die verwendeten farbigen Pigmente stammen nicht etwa aus Pharmalaboren oder von Kosmetikherstellern, sondern aus der chemischen Großindustrie. Sie sind nicht eigens für Tattoos hergestellt, sondern wurden für Autolacke, Textilien, Möbel oder Druckerpatronen entwickelt – aber nicht für die Anwendung innerhalb des menschlichen Körpers. Daher ist auch nicht auszuschließen, dass vor allem Produkte aus dem EU-Ausland (Internet!) bedenkliche Stoffe enthalten.

Chemiecocktails unter der Haut 2 - Die Chemie von Tattoos
Chemiecocktails unter der Haut 1 - Die Chemie von Tattoos

Man darf davon ausgehen, dass ein Tätowierer die Hygienevorschriften peinlichst beachtet. Trotz des üblichen Einsatzes von Konservierungsmittel wie Paraben, Formaldehyd, Phenol oder Methylisothiazolinon werden in Einzelfällen immer wieder auch Krankheitserreger wie Bakterien und Viren gefunden. Bei Untersuchungen in der Schweiz wurden in 14 Prozent der Farben verbotene Konservierungsstoffe identifiziert.

Tätowieren von Gehirn, Leber und Lymphknoten?

Das Credo: Tattoos sollen gut aussehen und vor allem lange halten. Ist die Farbe jedoch einmal unter der Haut, registriert das Immunsystem sie als Fremdkörper und versucht diese so schnell wie möglich loszuwerden. Das Problem ist jedoch, dass die Pigmente langsam abgebaut und im Körper weiter transportiert werden: Bereits innerhalb von sechs Wochen gelangen bereits 30 Prozent der Pigmente in andere Körperbereiche. Wenig Probleme bereitet der Abtransport der wasserlöslichen Trägerflüssigkeit, da die Lederhaut, das Ziel der Farbinjektionen, von Blut- und Lymphgefäßen durchzogen ist. Die größeren Pigmente werden eingekapselt und dauerhaft in der Lederhaut eingelagert.

Ein deutlich höheres Risiko bergen die kleineren und kleinsten Farbpartikel, die über die Makrophagen von der Haut in den Blutkreislauf und in die inneren Organe gelangen. Diese Nanopartikel landen überall im Körper – zum Beispiel in den Nieren, in der Leber und im Gehirn.

Vor allem in den Lymphknoten, der Filterstation für Schadstoffe im Körper, lagern sich diese Nanoteilchen ab und verfärben diese langfristig. Das wird besonders dann kritisch, wenn die Tattoo-Farben problematische Substanzen enthalten. Man erinnere sich nur an das mittlerweile selten verwendete Aluminium in Deos, das über die Lymphe in den Körper transportiert wird.

Neun Prozent der Tätowierten haben dauerhafte gesundheitliche Probleme …

Von Tattoos gefärbte und geschädigte Lymphe - Die Chemie von Tattoos

Bio-Tattoo, ein Marketingtrick?

Bio-Tattoo (auch Temp-Tattoo oder Temptoo genannt) klingt toll, die Bezeichnung ist jedoch irreführend und die Umsetzung zudem schwierig. „Bio“ bedeutet nicht etwa biologische Farbe, sondern soll nur darauf hinweisen, dass das Tattoo sich auf natürliche, also biologische Weise von selbst wieder entfernen soll.

Der Unterschied zwischen einem herkömmlichen Tattoo und einem Bio-Tattoo liegt lediglich in der Art der verwendeten Nadeln und deren Stechtiefe. Bei einem Bio-Tattoo werden dünnere Nadeln verwendet und die Farbe nur in die oberste Hautschicht, also etwa 0,2 Millimeter tief, gestochen, wo sich die Haut regelmäßig erneuert. Dies ist jedoch aufgrund der unterschiedlichen Beschaffenheit der Haut praktisch unmöglich ist.

Die Folgen: Das Risiko trägt allein der Verbraucher ...

Durch das Tätowieren selbst können Infektionen, Entzündungen oder Narben entstehen. Rötungen und Schwellungen sind „normal“, klingen jedoch meist rasch ab, Die oft giftigen Inhaltsstoffe können allergische Reaktionen und Hautreizungen hervorrufen, und sie sind schädlich für Lunge, Herz und Kreislauf. Im schlimmsten Fall kann eine Tätowierung sogar zu Krebs führen.

Das Risiko trägt allein der Verbraucher - Die Chemie von Tattoos

Keine der bunten Tattoo- Farben ist unbedenklich! Das häufigste Problem sind Allergien gegen alle klassischen Pigmente wie Chrom (grün), Kobalt (blau), Cadmium (gelb) oder Quecksilber (rot) Verbindungen. Bei etwa 6% der Tattoos kommt es zu Infektionen oder Allergien. Oft entwickeln sich Allergien erst nach Monaten oder Jahren, meistens gegen Rot und Gelb.

Und gerade die roten und gelben Farben haben eine weitere Schwäche: Sonnenlicht. UV-Strahlen spalten bestimmte Pigmente auf, und es können zellschädigende und Krebs erregende Substanzen entstehen. Laut Statistik hat jeder fünfte Tätowierte gesundheitliche Probleme mit der Sonne – die Zerstörung der Farbpigmente löst häufig Hautrötungen, Juckreiz, Schwellungen oder Schmerzen aus.

Risiko Tattoo-Entfernung?

Eine gängige Methode ist die Entfernung mit Laser. Dabei spaltet das Laserlicht die Pigmente auf und zerstört dadurch das Tattoo. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung konnte jedoch zeigen, dass bei der Laserbehandlung eines Tattoos Schadstoffe in derart hohen Konzentrationen entstehen, die in der Haut Zellschäden verursachen können: Es entstehen giftige und krebserregende Stoffe, wie zum Beispiel aromatische Amine, oder die zytotoxische Blausäure aus dem kupferhaltigen Pigment Phtalocyaninblau, dem derzeit einzigen erhältlichen blauen organischen Pigment – dabei entstehen HCN-Konzentrationen von bis zu 30 Mikrogramm pro Milliliter.

Tätowierungen sind Körperverletzungen, denen wir auf eigenes Risiko zustimmen.

Tätowierungen sind Körperverletzungen - Die Chemie von Tattoos

Schön aussehen, ok. Aber Tattoos sollten vor allem gesundheitlich möglichst unbedenklich sein. Wer sich also ein Tattoo stechen lassen will, sollte genau prüfen, was unter seine Haut und in den Körper kommt. Erkundige dich über die Tattoo- Farben und die deklarierten Stoffe – gibt es Informationen zu den einzelnen Stoffen, welche Inhaltsstoffe sind aufgelistet und sind diese gesetzlich erlaubt?

Eine Positivliste von sicheren und zugelassenen Substanzen gibt es leider nicht, jedoch können Tattoo-Farben, die gesundheitlich bedenkliche Stoffe enthalten, im europäischen Schnellwarnsystem RAPEX nachgelesen werden. Ein Restrisiko bleibt allerdings.

Von einer Tätowierung besser die Finger lassen sollten Menschen mit einer Immunschwäche, mit Kreislauferkrankungen oder Neurodermitis, sowie Allergiker, Bluter oder schwangere und stillende Frauen.

Die wohl einfachste Methode, sich nicht irgendwelchen Risiken auszusetzen ist wohl, auf chemische Zeitbomben unter der Haut zu verzichten. Welcher Tätowierte denkt schon an die gesundheitlichen Folgen in den nächsten Jahren seines Lebens? Welcher Allergiker oder Krebskranke sieht dann einen Zusammenhang zwischen seiner Krankheit und den Tattoos, die er sich vor Monaten oder Jahren hat stechen lassen? „Think before you ink …“

Hilfreiche Produkte bei ungewollten Folgeerscheinungen von Tattoos:

Qi-Sprays: Clearing, Healing, Relax, Golden Light

Qi-Complex: Lunge, Dickdarm, Leber, Milz Pankreas

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